Die Tagtigall Methode

Die Tagtigall Methode
Philosophie und Praxis

“Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie…”
Ludwig van Beethoven

Beethovens Ausspruch nun in Worten etwas hinzuzufügen, was eben nur durch Musik offenbart werden kann, scheint nahezu unmöglich, und – um einen anderen großen Künstler zu zitieren: „Über Musik zu sprechen ist wie über Architektur zu tanzen“(1) – fast absurd.

Dennoch, liebe Musik- und Tagtigall-Interessierten, ist es uns ein Herzensanliegen, ein paar Worte über unsere Methode und Philosophie zu verlieren, denn als Tagtigall Schüler soll Euch der Wert und die Besonderheit unseres Unterrichts (selbst)verständlich sein.

Wer die Musik sich verständlich macht, der muss frei werden von all dem Elend, womit sich die anderen schleppen…“
Ludwig van Beethoven

Erstens ist unser Ansatz ganzheitlich: Körper, Geist und Seele sind gleichberechtigte Bestandteile unserer menschlichen Existenz und bedürfen alle der entsprechenden Aufmerksamkeit und nach unserer Auffassung sind es auch die Bestandteile, die Musik erst zu ihrer wahren Entfaltung bringt – und damit eigentlich erst die Bezeichnung Musik – als höhere Offenbarung – verdient.

Daher schenken wir im Unterricht nicht nur dem Verstand (oder dem Geist) die Aufmerksamkeit, die er ja in unserer modernen Welt im Übermaß erhält, sondern ebenso dem Körper, der ja das Instrument spielt oder sogar ist und deshalb eine innere, wie äußerlich passende Haltung einnehmen darf, und drittens der Seele, bzw. unserem fühlenden Herz, das die Musik ja erst lebendig werden lässt. Ist unsere seelische Verfassung also so, dass sie „sich Zeit nimmt, um froh zu sein – es ist die Musik der Seele“(2)?

Zweitens ist unser Ansatz werte orientiert: Damit meinen wir eben gerade nicht jene Werte, die wir aus unserem Schulsystem oder unserer Arbeitsethik verinnerlicht haben: Werte, die sich über Zensuren definieren, über die Höhe des Gehalts, den Grad eines Abschlusses, etc. Dieses Wertesystem führt zu Stress, Angst, Verspannungen, sogar fragwürdigen Welt- oder Lebensanschauungen und nährt sich aus dem Druck, Leistungen erbringen zu müssen und ist eigentlich ein Bewerten unseres Tuns und Seins.

Jetzt stellt euch vor: Musik ohne Bewertung – ohne Leistungsdruck – ohne ungesunden Stress? Solcherart Werte machen’s möglich: Hingabe, Geduld, Sorgfalt, Achtsamkeit, Vertrauen, Mut – und Disziplin(3)!

Und um diese Werte zu entwickeln oder zu fördern, die unserer Ansicht nach Voraussetzung für musikalischen (aber damit einhergehend auch immer persönlichem) Fortschritt sind, bzw. diesen im ganzheitlichen Sinn erst ermöglichen, haben wir einige Methoden entwickelt, die den Schüler auf seinem Weg der Musikerfahrung bestmöglich begleiten, wie z.B. die „Carpe Musicam“-Methode (wie man Musik im Alltag nutzt), „Quantum Singing“, „Die 5 Minuten Routine“, die „Indiana-Jones-Methode“ und andere.(4)

Genaugenommen besteht die Tagtigall Methode gerade darin, nicht eine Methode zu sein, sondern viele – so viele, wie es Schüler gibt. Denn: ein jeder Schüler soll individuell unterrichtet und in seiner Entwicklung begleitet werden.

Ein gemeinsamer Nenner ist jedoch immer die Führung in Liebe, die in dem Schüler den Menschen sieht, dem das Potential zur Entfaltung seiner Gefühle und Sehnsüchte, seiner Kräfte und seiner eigenen Liebe innewohnt – und damit die höhere Offenbarung, von der Beethoven spricht.

Das Kriterium für Musik ist daher nicht, wie schnell, wie virtuos, wie fehlerfrei, etc. jemand musiziert, sondern wie viel persönliche Hingabe und damit Liebe in den Klängen mitschwingt.
Und dieses Kriterium ist für alle Menschen gleich, egal ob Amateur-, Hobby- oder Profimusiker.

“Und nur der ist groß, der die Stimme des Windes verwandelt in ein Lied und durch dessen Liebe dies Lied noch süßer wird.”
Khalil Gibran


Ziel unseres Unterrichts ist es also, den Schüler zu einem selbstständig lernenden und musizierenden Individuum zu motivieren, in dem er sich als ganzheitlicher Mensch erfahren lernt, Musik als eines der großartigsten und heilsamsten Phänomene der Natur erlebt und sich dadurch selbst wie auch anderen Freude und Liebe bereiten kann. Er darf über das Schülerdasein hinauswachsen und selbst zu einem Lehrer vor allem seiner eigenen Persönlichkeit werden. Er wird lernen, wie man lernt, wie man seine eigene Musikalität, seine individuelle Musik entdeckt, nicht wie man vorgefertigte Meinungen und Ansichten reproduziert und dadurch lediglich zu einem mehr oder weniger funktionierendem „Musikroboter oder einem Notenprogramm“ erzogen wird.

Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance.“
Yehudi Menuhin

Viele Schüler verlieren durch zu dogmatischen, unflexiblen Unterricht die Lust am Musizieren und bedauern in späteren Jahren sehr, dass ihnen Musik auf so unleidliche Weise nahe gebracht wurde. Statt Blockaden abzubauen und die Natürlichkeit des Menschen zu entfalten wurden nur noch mehr Blockaden hinzugefügt.

Daher geht es vor allem erst einmal darum, Blockaden freizulegen, wenn nötig, zu erkennen und die Hindernisse des Geistes aus dem Weg zu räumen, Gedanken wie: „Ich bin nicht gut genug“, „Ich kann nicht singen“, „Andere sind besser“, „Ich hatte immer eine 5 in Musik“, usw.

Es ist nicht unbedingt notwendig zu wissen, wie diese Blockaden entstanden sind, in einzelnen Fällen kann es jedoch hilfreich sein, zu wissen, dass wir alle auf die eine oder andere Weise unbewusst zu einer bestimmten Denkweise konditioniert wurden und werden. Das kann im Elternhaus passieren („Mach doch kein solchen Lärm!“, „Musik ist eine brotlose Kunst“, „Du singst total schief“, etc.), in der Schule (durch das Benotungssystem und einem viel zu akademischen und theoretischen Lehrplan), im Freundeskreis, durch die Medien, durch immer billiger produzierte Musik, durch das Fehlen geeigneter Vorbilder, durch die häufig schlechte Klangqualität von Handys, Mp3-Playern, und vielen weiteren Ursachen.

Wie auch immer die Blockaden entstanden sein mögen, Tatsache ist, dass sie der natürlichen Entfaltung des Schülers im Wege stehen. Daher ist es wichtig, dem Schüler den Zugang zu seiner Kraft, zu seinen Fähigkeiten und seiner Natürlichkeit wieder zu ermöglichen. Denn nicht nur wir von Tagtigall, sondern auch Physiker, Psychologen und andere Wissenschaftler, die in zahlreichen Versuchen die Wirkung von Musik auf den Menschen, auf Tiere und Pflanzen untersuchten(5), bekräftigen, was die alten Meister wie Beethoven nicht nur wussten, sondern auch voraussetzten: wie belebend, wie machtvoll, wie heilsam Musik für den Menschen ist, vor allem dann, wenn sie frei fließen darf – durch Körper, Geist und Seele.

Ich widersinniger Tropf, der nicht begriff,
zu welchem Zweck Musik uns ward gegeben!
Ist’s nicht, des Menschen Seele zu erfrischen
nach ernstem Studium und der Arbeit Müh?“

Shakespeare
Der Widerspenstigen Zähmung III, 1


  1. Steve Martin (Komiker)
  2. Aus einem irischen Gedicht
  3. lateinisch: disciplina = Lehre, Schule; englisch: disciple = Schüler
  4. Wir wissen: Das Wort Disziplin stößt bei einigen auf Widerstand, weil ihm etwas militärisches, dogmatisch-autoritäres anhaftet, aber genau das Gegenteil ist gemeint: ein Schüler zu sein, ein Lernender. Disziplin sollte immer aus Liebe, nie aus Angst oder Druck geschehen
  5. Alle unsere Methoden sind aus vielen Jahren der Unterrichtspraxis entstanden und für „Tagtigall tauglich“ befunden worden. Wir können sogar selbstbewusst behaupten, dass sich trotz, bzw. gerade wegen unserer Methode, „woanders“ anzusetzen, eine gewisse Erfolgsgarantie eingestellt hat, die im Vergleich zu herkömmlichen Unterrichtsmethoden sogar schnelleren technisch-musikalischen Fortschritt bewirkt. Was streng genommen natürlich nicht im Widerspruch steht, sondern nur logische Konsequenz, fast schon Nebeneffekt, unserer Philosophie ist…
  6. Es gibt tatsächlich zahlreiche Untersuchen, die die positiven Auswirkungen von Musik auf den Menschen und seine Umwelt belegen. Hier ein paar Beispiele:
  • Musizierende Kinder steigern ihren Intelligenzquotienten
  • Selber Musizieren regt die Organe und Zellen des menschlichen Körpers an und beeinflusst diese positiv, „Musik macht gesund und hält jung“
  • Das Sozialverhalten wird positiv beeinflusst
  • Die emotionale Intelligenz wird gefördert
  • In Schulen mit erweitertem Musikunterricht treten Gewalt und Vandalismus deutlich seltener auf
  • Verschiedene Musikstile wirken sich unterschiedlich auf das Pflanzenwachstum aus
  • Wasser ändert seine Struktur, je nachdem mit welcher Musik es beschallt wurde